21.12.2006 / 23:24
In sogenannten subkulturellen Zusammenhängen vergewissert man sich gern von zweierlei. 1.) Einen besseren, weil irgendwie subversiven Musikgeschmack zu pflegen, der geeignet ist, die Verhältnisse mit schmissigen Powerchords aus den Fugen zu rütteln und 2.) lebensweltlich geerdet, exemplarisch ein gutes Leben vorzuexerzieren. Das geschieht durch tierfreie Burger, Fair-Trade Kaffee oder selbstausbeuterische Tätigkeit im eigenen »Projekt« – wahlweise dem Fanzine, Mailorder, der Band oder Konzertcrew – in dem man lieber draufzahlt, als sich einen Mangel an richtiger Einstellung attestieren zu lassen.
So verhält es sich im übrigen auch in den Geschäftspraxen sogenannter Indie-Plattenlabels, die sich für den Großteil meiner Musiksammlung verantwortlich zeichnen (danke dafür von dieser Stelle). Mit einem antikapitalistischen Gestus, der das Übel der Welt in der Zirkulationssphäre aufknüpft, verzichtet man auf die Verwendung des allgemeinen Wertäquivalents Geld und setzt stattdessen munter LP gegen LP und 2 CD’s gegen 1 LP direkt zueinander ins Verhältnis. Deshalb kommt es mitunter vor, dass ein subkultureller Plattendealer eine aufwändige Pressung um einiges günstiger verscheuert, als der Tauschpartner überhaupt produzieren kann.
Andreas von Unterm Durchschnitt lieferte dieses ideologische, wie auch finanzielle Ärgernis den Anlaß für ein Papier (html|pdf), dem nach eigener Auskunft nicht daran gelegen ist, die Vorzüge der Erfindung des Geldes gesellschaftskritisch zu adeln. Vielmehr ziele es auf die verbreitete Do It Yourself-Ideologie, die meint, mittels Alternativökonomie den goldenen Weg aus dem Kapitalismus gefunden zu haben. Dass der direkte Warentausch ausser dem Gefühl aber nichts ändert – dass es Waren bleiben, die ihren Eigentümer wechseln, dass sie unter kapitalistischen Bedingungen produziert und unter genau diesen Bedingungen zum Musikliebhaber gelangen, versucht der Text auszuargumentieren.
Begrüßen darf man dabei den Versuch eines Labels die eigene Geschäftsgrundlage zu reflektieren. Ob dies gelungen ist, bzw. sich noch einiges dann den Ausführungen ergänzen oder kritisieren liesse, sei Dir – werter Leser, werte Leserin – zur Auffüllung unserer Kommentarspalte überlassen. Discuss!
21.12.2006 / 23:24
[…] BEATPUNK BLOG////nicht sido sein blog » Blog Archive » Subkulturelle Geschäftsverrichtung Ein Indie-Label reflektiert über die eigene Geschäftsgrundlage (Geld gegen Ware) und diskutiert Alternativen. Fazit: Es macht keinen Sinn, (…) am Warentausch festzuhalten, weil er die angeblich bessere Form des Tauschgeschäftes sei (beatpunk blog) […]
29.12.2006 / 22:35
[…] Ein Indie-Label reflektiert über die eigene Geschäftsgrundlage (Geld gegen Ware) und diskutiert Alternativen. Fazit: Es macht keinen Sinn, (…) am Warentausch festzuhalten, weil er die angeblich bessere Form des Tauschgeschäftes sei (beatpunk blog) » Filed under Sidenotes at 22 : 35. back to top […]
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