
28.10.2009
radikal, kompromisslos, erfolgreich
Endlich ein »Business-Lifestyle-Magazin für Männer, die Lust darauf haben, hart für ihre Karriere zu arbeiten – und trotzdem auf den Spaß im Leben nicht verzichten wollen«. »Endlich ein Magazin mit Charakter«. Irgendwer hat den Film American Psycho zu oft gesehen und trotzdem nicht verstanden.
Darauf haben all die geilen Hunde da draussen gewartet, Männer, richtige Männer. Männer, die jeden Tag zwölf Stunden arbeiten, geile Jobs natürlich, danach noch zehn Stunden in der Bar abhängen, vorm Job schwimmen gehen, abends dann noch Tennis, geile Autos fahren, geile Klamotten und geile Frauen… alles ist so geil, da muss man unbedingt mehr davon haben, deshalb brauch es auch ne geile Zeitung, die den ganzen Workaholism, Speed Konsum und die Crazyness als Lebensgefühl verkauft. Das ist echt so verdammt krass, mega radikalinskie, abgefahren, irre… 156 Seiten Papierverschwendung! Geil!
Leute! Hört auf diesen Scheiss im Fernsehen zu glauben, Alli Mc Beal, das war echt nur ne Serie, die Cops haben keine Hologramme, die sie mit touch screen bedienen um potentielle Killer zu finden, das ist nur bei CSI so und der schwarze Nebel bei LOST, also der ist echt ausgedacht!
Seh ich dich mit der Zeitung in der Bahnhofshandlung hau ich dir eins in die Fresse. Ganz radikal, ganz kompromisslos, ganz Punk! pff….

23.07.2009
Eine überaus einflussreiche Zeitschrift der britischen Gegenkultur hat seit ein paar Tagen ihr gesamtes Archiv eingescannt ins Netz gestellt. Über die »International Times«, die am 14. Oktober 1966 zum erstem Mal während eines Pink Floyd-Konzerts erschien und nach einem Rechtsstreit mit der Tageszeitung The Times nur noch als »it« auftrat, schreibt der Guardian:
The counter-culture paper, which was published throughout the 1970s and into the 1980s, helped launch the careers of Germaine Greer, Jeff Nuttall, Heathcote Williams and John Peel, among others. There were original stories from writers such as Norman Mailer, William Burroughs, Alexander Trocchi and Allen Ginsberg. It mixed radical politics with news and features on literature, drugs and sex. And it covered the spread of alternative culture across the globe, from the May 1968 protests in Paris to the Black Panthers to the anti-Vietnam war movement. (Quelle)
Selber angucken geht hier: www.internationaltimes.it

2.12.2008
Mit einer besonders dicken Winterausgabe geht das exzellente Extrablatt an den Kiosk und soll hier mal wieder wärmstens zum Lesen empfohlen werden.

Der Text »Gottes Spektakel« (Lars Quadfasel) beleuchtet warum die Dubiosität religiöser Massenbewegungen kein Entwarnungsgrund ist und wie der Glaube ans selige Himmelreich mit der Hölle allgemeiner Wertvergesellschaftung zusammenhängt.
Im Bereich der Kulturindustrie geht es um Adornos Jazzkritik (Gerhard Scheit), um eine Rezension von Jonathan Littells »Die Wohlgesinnten« (Walter Schrotfels) und um »Die Liebe zum Bild« (Tobias Ebbrecht), in der sich die Deutschen angesichts von Filmschmonzetten über ihre Vergangenheit befinden.
Die Gruppe Kritik im Handgemenge analysiert in »Hauptsache gesund« das Bild von Menschen mit Behinderung als ideologische Wiederkehr des Scheiterns kapitalistischer, nichtbehinderter Subjekte am bürgerlichen Ideal der Freiheit zur Konkurrenz.
Um Kollektive geht es in »Freuds Rätsel der Massenbildung« (Sonja Witte) und im Interview mit der Gruppe TOP Berlin wird u.a. die Frage gestellt, ob sich ihre Kritik an Islam und Islamismus mit einer materialistischen Gesellschaftskritik zusammenbringen lässt.