Düsenjäger lassen sich nicht ohne einen satten Verteidigungsetat anschaffen. Ein Eurofighter etwa kostet 85 Millionen Euro pro Stück. In der zivilen Luftfahrt geht es jedoch manchmal ein wenig kostengünstiger zu. Die im August 2008 leider aufgelöste Band Duesenjaeger, die statt Raketen Punkrock in die Menge schießt, hat bereits im Dezember 2009 ihre Aufnahmen zum Download frei ins Netz gestellt. Von der ersten Single bis zur letzten Mini-LP ist alles dabei. Wer eher auf Haptik steht (also was zum Anfassen) oder der Band noch rückwirkend danke sagen will, der oder die kann sich ja mal Herr Neumanns »Träumt weiter« anschauen. Das aktuelle Album des Duesenjaeger-Sängers ist auf dem Hamburger Label Meerwert erschienen.
Erst heute und durch Zufall habe ich The Black Atlantic aus Groningen entdeckt. Die auf dem Label Beep! Beep! Back up the Truck erscheinende Band spielt eine Mischung aus melancholischem Acoustic Pop und Folk. Was sehr erstaunlich ist, wenn man noch die Randinformation erhält, dass der Sänger der Band Geert van der Velde, in der gleichen Funktion auch bei Shai Hulud sein Unwesen trieb. Das 2009er Album »Reverence for Fallen Trees« kann komplett von der Seite des Labels oder der Band heruntergeladen werden.
Die großartigen Experimental Dental School haben ihr neues Album mit dem Titel »Forest Field« ins Netz gestellt. Zehn Lieder zum Mitnehmen. Take it!
Der schwedische Singer/Songwriter Björn Kleinhenz bringt die übliche Verwertungsreihenfolge der Musikindustrie durcheinander. Schon vor der Veröffentlichung seines neuen Albums am 29. Oktober 2008 steht seine Platte zum kostenlosen Download für wen auch immer im Netz bereit. Bei dem Datenpaket handelt es sich jedoch nicht um eine Digitalkopie der auf Tomt Recordings erscheinenden Aufnahmen, sondern um Cover‑ und Remixversionen, die Freundinnen und Freunde des Musikers zusammen gezimmert haben. Schön ist dabei (für meine Musiksammlung), wie freigiebig Kleinhenz mit seinen Stücken umgeht; so hatte er bereits im letzten Jahr die Platte »Trans Pony« als MP3 verschenkt. Er zeigt mit solchen Aktionen, dass man MP3-Alben im Internet nicht dauernd mit der Kriminalisierungszange zwicken muss, sondern sie schlauerweise auch mal generös verteilen kann. Das fördert nämlich den Bekanntheitsgrad von Bands ungemein (und steigert damit letztlich die Verkäufe des guten alten haptischen Tonträgers). Was viele MusikerInnen wie selbstverständlich machen, hat sich zu den meisten Labels aber immer noch nicht herum gesprochen. Mich interessiert dabei gar nicht, ob und wie die Musikindustrie ihre Krise wegsteckt (von mir aus, soll der ganze Laden auseinander fallen). Dass viele Plattenfirmen aber lieber auf Strafverfolgung im Netz setzen, ist in ihrem Interesse nicht nur kurzsichtig, sondern mit Blick auf musikinteressierte Internet-User vor allem: scheiße.
Über einen Blogpost bin ich auf ein neues Projekt von Kevin Hamann aufmerksam geworden, den man durch zwei Alben auf Audiolith bzw. Meerwert als Click Click Decker kennen kann. Unter dem Namen »My First Trumpet« hingegen forstet er derzeit mit der Indie-Pop-Sense gekonnt durchs Electronica-Wäldchen.
Veröffentlicht werden die Ergebisse seiner Feldversuche in Langspielzeit wohl im Juni diesen Jahres auf Aerotone, einem sehr hübschen MP3-Netlabel. Deren aktuelles Release – die lässige Compilation »Electronica Unplugged 2« – sei Euch hiermit nahe gelegt.

Anfang April findet in Belgien eine Post-Rock-Sause unter dem Titel Rhaaa Lovely Festival statt. Wer dort auftreten wird, müsste eigentlich nur reisefreudige MusikfanatikerInnen interessieren. Da nun aber ein MP3-Sampler alle gebuchten Bands mit je einem Lied digital zu Gehör bringt, können nerdige Reisemuffel mit Popaffinität das Lineup zumindest teilweise zuhause bewundern. Zugzwang!
Auch mal ein paar MP3s als Promotiontool hauen City Slang mit einem sechs Songs fassenden Digital Sampler raus. Druff sind Apostle Of Hustle, Majajube, The Jai_Alai Savant, Calexico, Lambchop und Justine Electra mit unveröffentlichten und zum Teil raren Tracks.
Häufig wird in den letzten Jahren durch die Musikindustrie eine Absatzmisere bejammert. Nach der verpennten digitalen Entwicklung ist ihre einzig famose Idee gegen magerer werdende Renditen, die juristische Dampframme flott zu machen. Wer Musik aus illegalisierten Tauschbörsen zieht, anstatt sich in einem Online-Shop mit DRM-verhunzten Dateien zu versorgen, bei denen der eigene MP3-Player nur noch zu stottern anfängt, darf sich mitunter sogar den sauren Drops einer Gefängnisstrafe auf der Zunge zergehen lassen.
Dass man die eigene Kundschaft nicht einerseits bezirzen kann, um ihr andererseits mit einem geerdeten »Raubkopierer«-Misstrauen entgegenzuwummern, konnten sich scheinbar die Leute von Sub Pop Records denken. Sie haben sich dementsprechend auf stagnierende Plattenverkäufe mit einer zeitgemäßen Antwort eingerichtet, die sich hoffentlich auch bei den werten KollegInnen herumspricht.
Wer nämlich die auf dem Label veröffentlichte neue The Shins-LP aus einem Laden trägt, der/die findet zu Hause eine die Möglichkeit offerierende Waschanleitung, das analoge Stück noch einmal digital auf den Rechner zu bekommen. Nach Eingabe eines 12-stelligen Codes flattern die Songs als MP3 gratis von der Sub Pop-Homepage in die eigene Musikbibliothek. Gute Musik, hübsches Cover, niedriger Preis und ein MP3-Gimmick wären tatsächlich mal wieder gute Gründe, über den Kauf von Vinyl nachzudenken. Also Plattenfirmen: nachmachen! Aber dalli, dalli!

Anstatt eines dämlichen Jahresrückblicks – ihr seht ja selbst, dass es 2006 bei uns eher leise zuging – lieber noch mit einem großen Knall ins Neue. Bevor ihr also gleich den Sekt kaltstellt und am Kartoffelsalat schraubt, knotet lieber noch einmal das Breitband auf, um Euch eine fantastische MP3-Compilation des Berliner Sinnbus-Labels für die abendliche Polonaise zu organisieren.
Nach der Bescherung ist vor der Bescherung, und so schicken wir zum Abschluss der Feiertage noch etwas schönes hinterher. Die neue Labelcompilation »Sinnbus Are Friends, Too« vereint Spitzenmomente des letzten Jahres mit schönen Versprechen für 2007, Sinnbusexklusivitäten und Leihgaben hervorragender Freunde. Sie ist ein Geschenk, sie kann sofort mit nach Hause genommen werden. (Sinnbus Blog)
Mit dabei sind Alarma Man, Kate Mosh, Audrey, Sometree, Barra Head, Delbo und viele mehr. Schön, dass ein auf Tonträgerverkäufe ausgerichtes Label, das Internet nicht allein als Partywiese für das Urheberrecht begreift. Die Zielgruppe findet das bestimmt sympathischer, als die angekündigte Anzeigenquote der Deutschen Phonoverbände.

Jeden Tag ein Türchen aufmachen, geht auch ohne Schokolade. Und zwar in MP3-Form. Auf newearsday.com wird bis zum 23. Dezember alle 24 Stunden eine neue Musikdatei hochgeladen. Bereits jetzt findet man auf der Seite Stücke von Songs of Green Pheasant, Midlake, Audrey und vielen anderen.



