Freiburg feiert Massenmörder

6.11.2008

Wer als Präsident einer faschistischen Diktatur während seiner Amtszeit jede Abweichung vom totalitären politischen Islam mit Folter und Mord bestraft, Studentenaufstände blutig niederwalzen lässt, Homosexuelle hinrichtet und Israel als »alte nicht heilbare Wunde im Körper des Islam« ausmerzen möchte, darf sich in Deutschland allemal als Reformer und Dialogpartner beklatschen lassen. So lud Freiburg Ende Oktober den ehemaligen Präsendienten des Iran, Mohammed Chatami, in die Albert-Ludwig-Universität um ihn nach offiziellem Empfang durch den Bürgermeister blumige Reden zum »Islam – Chancen und Probleme des Gesprächs mit dem Westen« halten zu lassen. Nicht nur das Publikum im voll besetzten Auditorium war verzückt vom gebildeten Chatami – Elisabeth Kiderlen schiebt für die Süddeutsche Zeitung nochmal eine Lobhudelei nach:

Chatami ist kein Vertreter des Säkularismus, die Religion ist für ihn keine Privatsache. Der politische Islam, eine islamische Republik haben für ihn keine systematischen Konstruktionsfehler, die demokratischen Defizite hängen ausschließlich mit den Handelnden zusammen. Islam und Frauenemanzipation, Fortschritt, Moral, Toleranz, Demokratie und Freiheit gehören zusammen. Und vor allem Islam und Vernunft: »Dieser Auffassung gehört die Zukunft.« Damit positioniert er sich gegen die Orthodoxie.

Sich vom Islam loszusagen wurde freilich auch unter Chatami mit Hinrichtung bestraft. Das ist ja hier schliesslich keine Privatsache. Die Verhältnisse zwischen den Menschen ausschliesslich auf alten Büchern voller menschenfeindlichem Aberglauben aufzubauen, muss vernünftigerweise zu Frauenemanzipation und Freiheit führen, dass ist auch für die Dame von der SZ einleuchtend. Ärgerlicherweise erdreisteten sich ein paar Exil-Iraner die versammelten Bildungsbürger und Studenten mit etwas Realität zu konfrontieren, indem sie Chatami als »Mörder und Faschist« bezeichneten. Glücklicherweise konnten sie unter dem Applaus der Menge schnell von den Sicherheitskräften aus dem Saal geworfen werden. Diese unschöne Störung des Dialogs verarbeitet Kiderlen ganz rührend im letzten Absatz ihres Artikels:

Der Mann, der von der Achse des Bösen kam und in Freiburg mit Sympathie und Applaus empfangen wurde, stand am Ende lächelnd vor dem Auditorium – wie die Verkörperung des Guten in einer umtriebigen, verunsicherten Welt. Und so prallte die erregte Kritik an der Politik der iranischen Regierung, die von einigen Bahai, Exiliranern und »Solidarität mit Israel« Rufenden kam, am guten Willen, der philosophischen Reinheit und den weit geöffneten Armen des iranischen Theologen ab. Sein Wunsch: »Ein gemeinsames Haus für die Menschheit bauen, in dem wir zulassen, dass die Brise aus Nachbars Garten in unseren Garten weht« – fürwahr ein schönes Schlusswort. Eines Landsmannes von Hafez würdig.

Dass der Weinliebhaber Hafez unter Chatami ganz schnell im nächsten Folterkeller verschwunden wäre, muss Kiderlen nicht weiter stören, wenn sie eine Brise Folter und Mord aus Nachbarsgarten durch ihr behütetes Haus ziehen lässt.

Schublade: Medien, Politik // Autor: Max

»Israelsolidarität ist nicht glamourös«

13.08.2008

Die Diskussionsveranstaltung »Warum Israelsolidarität?« im Mai im Conne Island brachte nicht viel Neues. Weder zum Thema, noch über die Szene, die keine sein will, sich in vielen Punkten aber von Autonomen der 90er Jahre lediglich dadurch unterscheidet, dass sie ihren jugendlichen unreflektierten Radikalismus neu justieren musste und ihr infantiles Gebaren Pop-kompatibel umcodierte: IDF-Hemdchen statt Palituch, USA-Button statt EZLN-Patch, Herzl‑ statt Guevara-Kult. Wirkliche Debatten sind dünn gesät, weswegen ich wohl einige naive Hoffnungen in die Veranstaltung im Conne Island setzte.

Speziell das Publikum unterschied sich jedoch von den Illnerschen und Maischbergerschen Studioschafsherden großteils nur dadurch, dass es sich nicht vorher sein Team aussuchte und supportete, es wird einfach ausnahmslos bei jedem Beitrag geklatscht.

Die Israelsolidarität vieler Antideutscher gerät immer mehr zur Farce, was erstaunlicherweise auf dem Podium nicht wirklich Thema war. Man mühte sich lieber mehrheitlich ab, mit möglichst martialischer Sprache Israelsolidarität in die jeweils aktuelle Gesellschaftstheorie einzubinden, statt die Frage der Realpolitik zu erörtern und ihre bittere Notwendigkeit einzugestehen. Man reihte lieber pathetische Aufrufe – gespickt mit Imperativen – aneinander, um das einzufordern, worin sich wohl sowieso alle Anwesenden einig waren, statt die ärgerliche Infantilität identitär-antideutscher Schwachköpfe und ihre teils gefährliche Nähe zum Philosemitismus zu kritisieren. Wirklich neu und in seiner Klarheit und Einfachheit aus dem Rahmen fallend war dabei lediglich das Referat »Warum Notzionismus?« von Hannes Gießler, der diese Problematiken im Ansatz aufgreift und seine Ausführungen im aktuellen CEE IEH veröffentlicht hat.

Außerdem ist in der aktuellen Jungle World ein sehr empfehlenswertes (aber redaktionell gekürztes) Dossier von Stefan Grigat erschienen. Hierin wird nicht nur noch einmal in aller Breite, Entstehung und theoretischer Kern der Ideologiekritik, sowie eine Übersicht über die verschiedensten Vorwürfe gegen selbige erläutert. Er trennt explizit die publizistische Tätigkeit von pilgerreisenden Popperbanden der autonomen Antifa und weist unter anderem auf den Unterschied hin, zwischen Politkitsch und notwendiger Identifikation:

»Die Kritik an falschen Identifikationen bedeutet jedoch nicht, dass die antideutsche Gesellschaftskritik und ihre aus der Kritik der politischen Ökonomie in Reflexion auf den Nationalsozialismus und sein Fortwesen entwickelte Solidarität mit Israel ohne jede Art von Identifikation auskäme. (51) Es geht hier um Identifizierung etwa im Sinne von Herbert Marcuse, der geschrieben hat: »Ich kann nicht vergessen, dass die Juden jahrhundertelang zu den Verfolgten und Unterdrückten gehörten, dass sechs Millionen von ihnen vor nicht allzu langer Zeit vernichtet worden sind. (…) Wenn endlich für diese Menschen ein Bereich geschaffen wird, in dem sie vor Verfolgung und Unterdrückung keine Angst mehr zu haben brauchen, so ist das ein Ziel, mit dem ich mich identisch erklären muss.« (52)

Schublade: Politik // Autor: Lehni

Paradise No!

5.06.2008

In Hamburg wird derzeit im hippen Schanzenviertel in einer Theaterfassung »Paradise Now« aufgeführt. Das Junge Schauspielhaus inszeniert den »preisgekrönten und politisch kontrovers diskutierten Film« (Zitat aus der Ankündigung des Stückes) und hat sich damit postwendend Protest vor die Haustür geholt. Ein Flugblatt der Gruppe Kritikmaximierung Hamburg (km/h) macht die Runde und fordert ein bündiges »Schluss mit dem Theater«. Dass die Handreichung ihren Gegenstand trifft, dürfte auch ohne die Inszenierung besucht zu haben, aus einer Rezension des Stückes erstichtlich werden.

Schublade: Politik // Autor: Sebastian

Caliban in Israel

27.11.2006

Das heilige Land erhält Unterstützung aus dem Ruhrpott. Die Metalcoreler von Caliban werden im kommenden Jahr, dem zehnten ihres Banddaseins, eine Tour durch Israel antreten, wie Ynetnews.com berichtet. Das ist Fakt. Dass sich das dortige Publikum bei der obligatorischen »Wall of Death« teilen wird wie einst das Rote Meer hingegen ist Mythos und Annahme zugleich, zudem noch ein echt schlechter Kalauer und sollte nie wieder behauptet werden.

Schublade: News // Autor: Dennis