Seit dem Ende von Blumfeld ließ sich viel über die musikalische Zukunft der einzelnen Bandmitglieder spekulieren. Gerade was Jochen Distelmeyer wohl in Zukunft machen würde, konnte man nach grausigen Liedern, wie dem »Apfelmann« oder »Heiß die Segel« aber nicht unbedingt mit einem begründetem Optimismus prognostizieren. Doch alles Quatsch: jedenfalls der Vorabstream »Wohin mit dem Hass?« aus dem 25.09. erscheinenden Solo-Album »Heavy« klingt großartig. Bei Youtube kursierten in den letzten Tagen auch bereits ein paar Live-Aufnahmen zur Distelmeyer-Platte aus Essen, die aber die treusorgende Plattenfirma mittlerweile hat sperren lassen. In diesem Sinne: fall die Treppe runter und brich dir die Beine, Sony Music Entertainment.
Was bereits vor einiger Zeit danach aussah und hinter vorgehaltener Hand gemutmaßt wurde, ist nun doch leider eingetreten. Nach 16 Jahren – unzähligen fantastischen Platten und einer weniger guten – werfen Blumfeld endgültig das Handtuch. Etwas einsilbig heißt es dazu auf ihrer Homepage
Ein Kreis schließt sich. Nach sechzehn Jahren Blumfeld hat Autor, Sänger und Gitarrist Jochen Distelmeyer in Absprache mit den übrigen Bandmitgliedern Andre Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboards) und Lars Precht (Bass) beschlossen, die Band aufzulösen.
Die bereits für Apri/Mai angekündigte Tour zur Veröffentlichung der »Ein Lied mehr – The Anthology Archives Vol.1« fällt allerdings nicht ins Wasser, sondern gerät zum offiziellen Schlußakkord, der nach den herausgegebenen Daten aber wohl weder in Leipzig noch in Hamburg zu hören sein wird.
Ich hatte mich in der Tat auf das neue Blumfeld-Album gefreut und war umso herber enttäuscht. Grauenhafter Naturspass zwischen Waldfee und Arche Noah schwimmt auf »Verbote Früchte« die Gehörgänge hoch. Es ist ja nicht so, dass die Platte musikalisch langweilig oder uninspiriert wäre. Jedoch fehlt ihr so ziemlich alles, was man als halbwegs urban titulieren könnte. U-Bahn-Fahren oder Rumhängen gerinnt dabei geradezu zur Groteske. Für Matrosenromantik und Bergwanderung ist die Scheibe hingegen bestimmt vortrefflich. Ebenfalls nicht verachten darf man ihre pädagogische Seite; lernt man doch Spezies kennen, deren Existenz einem/einer bisher gänzlich verschlossen war. Ganz groß.
Und nun sind auch noch die Tiere unruhig. Kündigt sich ähnliches an, wenn Kante ihren Longplayer, der am 4. August erscheinen wird, derart titulieren? Bitte nicht.
Eine Antwort auf diese Frage wird sich aber bestimmt demnächst im Videopodcast zur Entstehung des Albums oder auf Myspace abzeichnen. Die dort bereits streambare Vorabversion eines neuen Stückes erinnert frappierend an Queens Of The Stone Age. Aber die mag ich auch nicht.
