Judenhass aus Lönneberga

9.03.2009

Das Daviscup-Spiel Israel vs. Sweden, das am vergangenen Samstag in Malmö ausgetragen wurde, war von heftigen anti-israelischen Protesten begleitet. Aufgerufen hatten »antifaschistische« Gruppen, linke Parteien, pro-palästinensische Initativen und laut eines Beitrags der dänischen Zeitung Politiken auch Neonazis. Das Spiel wurde aus Sicherheitsbedenken und offizieller anti-israelischer Symbolpolitik vor leeren Rängen ausgetragen. Die pro-palästinensischen Demonstranten versuchten – umnebelt vom Duft »Ramallah Nights« des dänischen Modelabels »Fighters+Lovers« – das Stadion zu stürmen und lieferten sich stundelange Auseinandersetzungen mit den Cops. Diese mussten sich bereits im Vorfeld aus Dänemark mit Polizeigerät aushelfen lassen. Dass das schwedische Team das Daviscup-Match letzten Endes gewann, interessierte an diesem Tag eh niemanden. Um Sport ging es jedenfalls in keinem Moment. Wie die Israelis den Tag erlebt haben, erläutert der Tennisstar Andy Ram in der Zeitung Jedioth Achronoth: In Malmö habe eine kriegsähnliche Atmosphäre geherrscht. Er denke nicht, dass er je wieder nach Schweden reisen werde.

Apropos »Fighters+Lovers«: die linke Unternehmen muss sich derzeit nicht für sein Parfum, sondern für seine Textilien vor dem dänische Supreme Court verantworten. Das Gericht soll klären, ob die von der Firma vertriebenen Shirts mit dem aufgedruckten Logo der kolumbianischen FARC und der palästinensischen PFLP, als finanzielle Unterstützung von terroristischen Organisationen zu beurteilen sind. Interessanterweise spielt wohl die Frage keine Rolle, ob F+L tatsächlich Gelder an die benannten Gruppierungen weiterleitete oder nicht. Wichtiger ist in dem Prozess laut Politiken-Bericht vielmehr, ob FARC und PFLP als terroristische Gruppierungen eingestuft werden können und müssen. Auch wenn der Terrorismus-Begriff politikwissenschaftlich problematisch und undifferenziert sein mag, »Fighters+Lovers« überspannt die Kritik daran deutlich, indem sie öffentlich FARC und PFLP in Zusammenhang mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus setzt. Leider geschieht dies mit Unterstützung durch ehemalige KZ-Internierte und Partisanen:

»‘4 terrorists sentenced to death‘. In a 10-meter high transparent at Town Hall Square in Copenhagen (Rådhuspladsen), members of the Danish resistance movement will show the parallel between the Second World War and today. They were called ‘terrorists’ during the Second World War. Today, it is the same for freedom fighters in Palestine and Colombia.« (Quelle)

Schublade: News // Autor: Hanno

Friedensdemos gegen Israel

14.01.2009

Ein guter Artikel zu den antisemitischen »Friedensdemonstrationen« und Übergriffen in Europa anlässlich der israelischen Offensive im Gazastreifen ist im gestrigen Wall Street Journal unter der Überschrift »Europe Reimports Jew Hatred« zu finden. Auch Robert Kurz hat mit »Der Krieg gegen die Juden. Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet« einen lesenswerten Text veröffentlicht. Bei all den gruseligen Aufmärschen gegen Israel, die derzeit weltweit stattfinden, lassen sich aber wenigstens hin und wieder großartige Bildmotive auffinden. So wie die beiden hier:

Ein antisemitischer Saftfreund (via)
saftfreund

und friedensbewegte Mercedes-Fahrer (via)
goettingen

Schublade: News, Politik // Autor: Sebastian

Paradise No!

5.06.2008

In Hamburg wird derzeit im hippen Schanzenviertel in einer Theaterfassung »Paradise Now« aufgeführt. Das Junge Schauspielhaus inszeniert den »preisgekrönten und politisch kontrovers diskutierten Film« (Zitat aus der Ankündigung des Stückes) und hat sich damit postwendend Protest vor die Haustür geholt. Ein Flugblatt der Gruppe Kritikmaximierung Hamburg (km/h) macht die Runde und fordert ein bündiges »Schluss mit dem Theater«. Dass die Handreichung ihren Gegenstand trifft, dürfte auch ohne die Inszenierung besucht zu haben, aus einer Rezension des Stückes erstichtlich werden.

Schublade: Politik // Autor: Sebastian

… Täter sind keine Opfer

20.07.2007

1. Einleitung
Anlässlich des Angriffs auf eine von uns organisierte Veranstaltung und den anschließenden Spekulationen über die Vorfälle und unser Handeln vor Ort, sehen wir uns dazu veranlasst, eine Erklärung abzugeben.

Die Menschen, durch die der Angriff auf unsere Veranstaltung erfolgte sind Mitglieder oder stammen aus dem Umfeld der Gruppen Autonome Antifa Magdeburg (AAMD), der Gruppe Internationale Solidarität Magdeburg (GIS) und der Frauengruppe Magdeburg. Eine Person ist auch Mitglied der Antinationalen Neuköllner Antifa (A.N.N.A.)

Die Tatsache, dass ein Großteil der Personen bereits von der vorherigen Veranstaltung wussten, dass sie nicht teilnehmen dürften, ihr aggressives Auftreten und ihre Äußerungen im Vorfeld und vor Ort lassen keinen Zweifel darüber offen, dass sie ausschließlich gekommen waren, um die Veranstaltung anzugreifen. Denn schon bei der ersten Veranstaltung der Reihe kamen die späteren AngreiferInnen mit Quarzhandhandschuhen und Mundschutz und schlugen zwei Teilnehmer der Veranstaltung zu Boden. Lediglich dem besonnenen Handeln des Veranstaltungsschutzes und der TeilnehmerInnen ist es zu verdanken, dass nach dem nun erfolgten massiven Angriff niemand ernsthaft verletzt wurde.

2. Kurzabriss
Wir haben schon mehrmals darauf verweisen, das es hier nicht um einen Einzelfall geht und die letzten Gewalttätigkeiten nur das bittere Ende einer längeren Entwicklung sind. Wir wollen diese hier noch einmal in aller Kürze an ein paar ausschlaggebenden Momenten nachzeichnen und damit auf Tendenzen darin aufmerksam machen. Anfänglichen Beleidigungen gegen Menschen, die den »Stempel Antideutsch«, aufgedrückt bekommen hatten, folgten diverse Drohungen. Hier gab es eine Zuspitzung bis hin zum angedrohten Mord. Über die Zeit wurden auch irgendwann materielle Schädigungen legitim und das in einem zunehmenden Ausmaße, so dass ernste finanzielle Schäden verursacht wurden. Die Entwicklung reichte von gesprengten Briefkästen bis hin zu abgestochenen Autoreifen. Der angedrohten und bis dahin zumindest an Dingen exekutierten Gewalt, folgte im Januar der erste direkte Angriff auf einen Menschen. Ein Teilnehmer unserer Kundgebung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz wurde auf dem Weg nach Hause gestellt und ob seiner israelsolidarischen Haltung geschlagen. Bei der ersten Veranstaltung unserer kleinen Reihe gegen Antisemitismus versuchten sich dann Menschen aus dem oben benannten Personenkreis mit Gewalt Zugang zur Veranstaltung zu verschaffen und schlugen dabei gleich auf mehrere Menschen im Eingangsbereich ein. Nach folgenden Aufrufen im Internet unsere folgenden Veranstaltungen zu »smashen«, wurde dann die letzte Vortragsveranstaltung brutal und ohne Rücksicht auf eventuell Unbeteiligte überfallen. Unbeteiligte gab es für die Angreifer offensichtlich nicht mehr.

3. Einschätzung
Seit 2 Jahren beobachten wir eine Beständige Zuspitzung der Lage. Von der angedrohten bis hin zur körperlich zugefügten Schädigung war es ein vergleichsweise langer Weg, betrachtet man wie schnell sich der Level der Gewalt vom ersten direkten Angriff auf einen Menschen bis hin zum direkten Überfall auf eine Veranstaltung erhöht hat. Im Interview mit der Jungen Welt bestätigte die Gruppe Internationale Solidarität sinngemäß, in Zukunft weiter an ihrem Kurs festhalten zu wollen. Für uns ist nicht absehbar wohin diese Entwicklung noch gehen wird, befürchten aber, dass das Ende der sprichwörtlichen Fahnenstange noch nicht erreicht ist und Schlimmeres folgen könnte. Wer das alles noch als „innerlinke Streitigkeit« oder überhaupt als zweiseitige »Konflikt« fassen möchte, dem müssen wir eine Relativierung der Situation vorwerfen. Die Geschehnisse nicht ernst zu nehmen hat leider maßgeblich dazu beigetragen, dass die Lage ist wie sie ist.

Wir richten daher die Bitte an Gruppen, Initiativen, freie Assoziationen wie Einzelpersonen diese Handlungen klar und konsequent zu verurteilen.

4. Fünf Thesen
Einige wenige Male wurden wir nun, nach dem brutalen Angriff auf unsere Veranstaltung, gefragt ob bei der Polizei Aussagen gemacht wurden. Die Nachfragen wollen wir nun zum Anlass, aber nicht als Grund, nehmen um einige Gedanken und Thesen zum Thema zu formulieren.

1. Für eine Verurteilung des Übergriffs sollte diese Frage eigentlich keine Rolle spielen. Entweder ist der Angriff abseits jedweder Legitimation oder aber es gibt Ansatzpunkte einer Rechtfertigung, ja Verständnis für die Täter. In diesem Falle ist die Verurteilung keine.

2. Eine Solidarisierung mit den Opfern des Übergriffs, seien es Besucher_innen oder Veranstalter_innen, sollte auf Grund ihrer Betroffenheit erfolgen und nicht ob ihrer Handlungen als Reaktion auf den Angriff. Eine Solidarisierung in einer Notsituation, die geknüpft ist an Bedingungen ist eher als Druckmittel als ein ernst gemeintes und ehrliches Angebot der Hilfe und Unterstützung zu verstehen. Eine solche Hilfe ist keine.

3. Wenn »linkes Regelwerk«, wie »Anna & Arthur halten`s Maul!«, nicht mehr dem Individuum genügt, ist es nutzlos und zu überdenken. Wenn dem einzelnen Menschen Unterordnung aufgezwungen wird zum konstruierten Wohle eines »großen Ganzen«, hier »die Linke«, ist jeder emanzipatorischer Anspruch bereits begraben und zur sinnfreien Parole verkommen. Bevor das Individuum durch Regelwerke gebrochen wird, fordern wir das brechen der Regelwerke!

4. Wir finden es in diesem Sinne anmaßend für die Betroffenen zu entscheiden wie sie die Situation im Einzelnen bewertet haben, wie sehr sie Angst haben/hatten und wie sehr sie sich bedroht fühlen bzw. gefühlten haben. Gerade diese individuelle Perspektive sollte aber im Zentrum der Betrachtung stehen. Wir Respektieren daher die Entscheidungen der Betroffenen, ob sie nun Aussagen gemacht haben oder nicht. Wir werden keine erniedrigenden Rechtfertigungen und Einzeldarstellungen verlangen. Den Betroffenen gilt unsere bedingungslose Solidarität.

5. Strukturen werden nicht durch Opfer gefährdet! Die Strukturen waren bereits mit dem Angriffsplan gefährdet. Wer glaubt Menschen mit Steinwürfen und Reizgas angreifen und ein Gebäude demolieren zu können ohne polizeilichen Ermittlungen herauf zu beschwören, nimmt die Mittel und Wege des Rechtsstaats offensichtlich nicht ernst – und das ist gerade nach dem 129a-Verfahren mit Unmengen an Ermittlungen und in der überschaubaren »Szene« in Magdeburg ein Armutszeugnis. Wer dann noch in einer linken Tageszeitung ein Interview gibt, das einem Bekennerschreiben gleicht, macht sich selber und seine Sündenbocktheorien über die »zugezogenen Probleme« (GIS Sprech für „Antideutsche«) lächerlich. Wir wenden uns gegen jedweden Versuch aus Täter_innen, Opfer zu konstruieren.

5. Ergänzendes
Leipziger Antifa: Erneute antisemitische Übergriffe in Magdeburg
http://roadmap.sytes.net/magdeburg2.html

Jungle World: Magdeburger Antifada
http://jungle-world.com/seiten/2007/28/10227.php

aip: Im Gleichschritt Links – ein Veranstaltungsbericht
http://antifainfoportal.an.ohost.de/index.html

BGA Leipzig: Der antisemitische Wahnsinn hat Methode
http://www.israel-soli.de/texte.html#sn2

Für das Ende der Gewalt!
Antifa Infoportal Magdeburg
Juli 07

Schublade: Politik // Autor: Lehni