Ramallah Massiv

17.11.2008

Der aus Karrieregründen nach Berlin gezogene Rapper Massiv hat diesmal nicht für die Plattenfirma seinen Ranzen gepackt, sondern für das Goethe Institut. Wahrscheinlich mit dem üblichen Geblubber eines Dialogs der Kulturen, wurde der Musiker in den nahen Osten verschifft, um palästinensische Jugendliche zu bespaßen (Tagesschau-Video). Dieses Unterfangen hat nun aber in Deutschland Diskussionen ausgelöst. Der Tenor, etwa eines Protestbriefes des FDP-Bundestagsabgeordneten Markus Löning an das Goethe-Institut klingt ungefähr so: man könne doch jemanden, der sich in seinem künstlerischen Schaffen in Gewaltgeilheit übt, nicht zum Kulturbotschafter Deutschlands machen. Das findet mittlerweile selbst Klaus-Dieter Lehmann und kritisiert den eigenen Laden: »Das Goethe-Institut richtet aber seine Arbeit gegen Gewalt und Gewaltbereitschaft«, wird der Präsident des Instituts in der Welt zitiert, »es steht für Zusammenarbeit und Dialogbereitschaft. Nicht die Provokation sondern die Partnerschaft sind seine Grundlage.« Dass das zwei grundverschiedene Aussagen sind, hätte ihm gerade in der causa Massiv aufgehen können. Dem Ziel, der kulturpolitischen Ausrichtung des Goethe-Instituts gegen Gewalt, wird man mit dem Booking des Rappers fraglos nicht dienen. Der Zusammenarbeit und der »Dialogbereitschaft« dagegen schon. Wenn der Musiker in Ramallah auf die Bühne steht und unverblümt rattert: »Du wirst umhüllt mit einem weißen Tuch. Das ist der ehrenvolle Tod. Guck wie Allah dich in den Himmel ruft. Dieser Junge starb fürs Vaterland« (Palestine), dann wird er zumindest verstanden. Der mit Regierungsgeldern finanzierte Popspaß lässt durch einen aufgepumpten Hohlschädel der palästinensischen Jugend mitteilen, wie ein »ehrlicher deutscher Makler« im Nahostkonflikt trotz staatsoffizieller Israelsolidarität dann doch noch aussieht.

Schublade: Politik // Autor: Sebastian
3 Kommentare zum Beitrag...
»Ramallah Massiv«
t.a.f.k.a.n.

»aus kulturellen gründen nehmen sie (die zuseherinnen) nur sitzend teil«
grandios…

ach ja, toy!


[…] vom Goethe-Institut organisierte, heftig kritisierte Tour des Weddinger Rappers Massiv durch die palästinensischen Autonomiegebiete wird nun von der taz aus […]


hanno

tagessachu: »junge palästinenserinnen nehmen aus kulturellen gründen nur sitzend an dem konzert teil.« bollocks…
judenhasser und deutsche spiesser («das goethe-institut soll die deutsche aussenpolitik unterstützen«), zärtlichkeiten zwischen völkern – das alles hier:

http://www.spiegel.de/video/video-43328.html







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