Dietmar Dath schreibt in seinem »Brief über Nachrichten«: »Gewalttaten sind in den Medien immer überdeterminiert: Es geht zwar um den Akt selbst, aber seine Wirkung als Propaganda gehört schon zur Nachricht, wenn man von ihm erfährt. Das gilt besonders beim faschistischen Akt, denn da liegt es in der Natur der Sache, dass Handeln auch Propagandieren ist, denn das was propagiert wird, ist gesamtgesellschaftlicher Schrecken.«
Ob sich sowohl Medien, als auch die faschistischen Akteure der Hetzjagd gegen ein paar Inder im Zuge des Mügelner Volksfestes im Sommer 2007 dessen bewusst waren oder nicht – die Nachhaltigkeit dieser Tat ist erschreckend. Waren 2007 noch Sommerpresseloch und Restzüge des geläuterten Fußball-Fiebers der Grund, dass derartiges Propagieren von »Ausländerklatschen« und entsprechendem Handeln in einem kleinen Aufstand der Anständigen mündeten, scheint man auch 2009 den gesellschaftlichen Schrecken nicht nur zu propagieren, sondern wieder einmal zu verbreiten. Am 09.03. wurde eben jene Pizzeria, in die sich die vor besagtem Pogrommob flüchtenden Inder retten konnten, abermals Mittelpunkt rassistischer Exzesse. Wie die „Oschatzer Allgemeine“ in ihrer Montagausgabe berichtete, hatten in der Nacht zum Samstag zwei Männer und eine Frau den 43 Jahre alten Inhaber des Restaurants angegriffen und schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft ließ wie gewöhnlich in Beamtensprech verkünden, dass ein ausländerfeindlicher Übergriff nicht auszuschließen sei. Dabei ist es das Vorgehen, das zumindest auf einen rassistischen Vorsatz, wenn nicht sogar auf einen geplanten Angriff schließen lässt: nach Rütteln und Klopfen an Türen und Fenstern wurde der Inhaber der Pizzeria beim Hinausgehen überrascht und so lange mit einem Schlagring auf ihn eingedroschen, bis man ihm die Nase brach.
Alles beim alten also in jener Gemeinschaft, die doch so stellvertretend für so viele Gegenden in Deutschland ist: Während man in Mügeln gut und gerne von einem nicht mehr zu verharmlosenden gesellschaftlichen Klima sprechen kann, übt sich die Staatsanwaltschaft in falscher Objektivität, ergötzt sich der Bürgermeister in Relativierung und der Rest der Einwohner in standesüblicher Vertuschung und solidarischem Zusammenhalt.
