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Jungle World again

Dass es um die Jungle World nicht gerade rosig steht, wurde bereits auf der Startseite vom Webzine bemerkt und zur Abhilfe dieses Zustands per Abonnement aufgefordert. Wem dies allein noch nicht als Begründung genügt, kann sich ja mal durchlesen, was dem werten Herrn Redaktör zur Misere einfällt.

Dabei wäre vielleicht noch zweierlei meinerseits anzumerken: die Jungle World ist sich schon des Umstands bewusst, eine Ware auf den Printmarkt zu werfen, handelt dann aber komischerweise so, als sei Kapitalismus dann doch eine irgendwie solidarische Veranstaltung. Warum das Abo teurer ist, als der Weg zum Kiosk will mir nicht einleuchten; ebenso wenig warum man die Attraktivität der Zeitung nicht dadurch erhöht, dass man die Online-Ausgabe eben erst ein paar Tage nach dem Mittwoch im Netz als Volltext freischaltet oder AbonentInnen das Blatt einen Tag früher zustellt.

Sei’s drum. Dagegen aber wirklich bescheuert gestaltet sich der Vorstoßder Prosecco-Sozialisten aus Stuttgart, die einen entgegengesetzten Weg gehen und dem Blatt das Ableben ein wenig leichter machen wollen. »kündigt eure abos! schickt eine kopie der kündigung an uns und bekommt dafür ein tolles Geschenk.« Dass man so ziemlich jedem anderen Blatt, von Bunte bis Bild, von der Süddeutschen bis zur Jungen Welt den emanzipatorischen Segen einer frühen Insolvenz um einiges eher wünschen dürfte, hat sich bis nach Baden Würtemberg noch nicht rumgesprochen.

Dennoch: dass es einiges an der Qualität der Zeitung zu mäkeln gäbe, will ich einräumen. Pluralismusschleuderei in den Debatten mit der postmodernen Vorliebe »doch einfach mal so« eine Position zu beziehen, nur um der Disputation willen. All das darf sich die Jungle World um meinetwillen schenken. Ebenso wie übrigens hier und da die verflachende SPEX-Lastigkeit. Eine linke Wochenzeitung sollte sich ruhig mehr gesellschaftskritische Bleiwüsten gönnen (bitte) und nicht dickflüssige konsens Punkrock-Diskos runter reißen. Wer bei der Frage nach dem Herzschritt von Lederjacken nicht ins Gähnen kommt, der/die ist wohl selbst schon tot.
Albern ist allerdings die gewachsene (auch post‑)linke Neigung, wegen dem einen oder anderen dämlichen Artikel, einer im großen und ganzen sehr lesenswerten Zeitung zu Leibe zu rücken. Dass man hier partielle Ausrutscher nicht aushalten kann, die dort bei der Lektüre jeder x-beliebigen deutschen Tageszeitung zur Regel gehören – nur eben in abgestuften Geschmacklosigkeiten – versteh ich nicht. Muss ich aber auch nicht.

Sebastian


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  1. Sebastian 04.11.2006 / 10:22

    Kult. Bei Emopunk.net fährt einE gewisseR Dogsborogh aber dicke Geschütze auf.

    »bitte nicht abonnieren, kaufen o.ä., sondern das juwe-abo, falls vorhanden, abbestellen und das geld lieber direkt auf kauderwelschs konto überweisen. dieses revisionistische drecksblatt braucht kein mensch!!« Weil man ja jetzt denken könnte, er/sie meinte die Junge Welt gehört das natürlich noch einmal richtig gestellt. »ju-wO-abo meinte ich natürlich. bei all dem braunen geseier kann man schonmal durcheinander kommen…« Nee, is klar.

    Aber weil ja die Argumende fehlen, erwähnt noch jemandE, dass die Artikel über Musik besser in die Testcard passen würden. Die bekommt dann auch gleich ihr Fett weg:
    »testcard ist ein magazin für die postmoderne undergroundpop‑ hitlerjugend. angeführt wird diese von den gescheiterten bundeswehrsoldaten martin büsser («anti-pop«) und roger behrens («adorno-abc«). noch heute sucht man in den rocky-mountains, im himalaja und in der area 51 jeden tag nach etwaigen gehirnzellen-resten dieser beiden geistesleichen. bis dato erfolglos.« Foren abschalten! Allesamt!

  2. Calculator 28.11.2006 / 13:19

    »…Warum das Abo teurer ist, als der Weg zum Kiosk…«

    Das ist nicht richig.

    Im Durchschnitt hat der Monat 4,33 Wochen. Eine Einzelausgabe am Kiosk kostet 2,90 â?¬.
    4,33 x 2,90â?¬ = 12,55 â?¬ – soviel zahlst Du monatlich, wenn Du die Jungle jeden Mittwoch am Kiosk kaufst.
    Das Standardabo kostet aber nur 12,09 â?¬; – ist also geringfügig billiger.

  3. ZK der Proseccosozialisten 08.12.2006 / 11:28

    lieber sebastian,

    wie du selber in deinem beitrag feststellst, ist das wirklich eklige an der jungle world nicht, dass dort ab und an völlig unterirdische artikel erscheinen. davor ist kein uns bekanntest medium sicher. nein, das eklige ist, dass die jungle world sich eben nicht wie so ziemlich jedes andere blatt »von Bunte bis Bild, von der Süddeutschen bis zur Jungen Welt« der kapitalistischen konkurrenz stellt, sich deren regeln unterwirft, oder eben untergeht.

    nein, da wird zur rettung eines kapitalistischen unternehmens aufgerufen. einzig, dass dort ab und an mal communisten communistische positionen beziehen dürfen, der durch die redaktion inhaltlich gestaltete teil aber an linksdeutscher dummheit seinesgelich sucht, bewog uns das ableben dieser zeitung beschleunigen zu wollen. denn nicht den möglichkeitsraum, den die jungle world bietet gilt es zu retten, sondern – nach eigenem bekunden – die institution, und das ist vorrangig die redaktion. und damit auch ihre inhalte.

    wir bilden uns gar nicht ein, dass durch ein ableben der jungle world yücel, bozic, schmid und wie sie alle heiÃ?en kein forum mehr haben, das gute gewissen als »die linke Wochenzeitung« wäre dem linken sumpf allerdings genommen. und in einer unserer erfolgreichsten interventionen eröffneten wir den text mit einem zitat von walter benjamin, dass uns auch hier mehr als geeignet scheint:

    »Das Bestehende legt er in Trümmer, nicht um der Trümmer, sondern um des
    Weges willen, der sich durch sie hindurchzieht.«
    (W. Benjamin)

Reiss die Fresse auf:

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