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Agnoli und die Waffen-SS

Ein wenig überrascht war ich bei der heutigen Lektüre der FAZ. In der Ausgabe befand sich ein Artikel zu einer kürzlich mit dem Motto »Krisenzeiten von 1963 bis 1973?« versehenen Tagung, auf der es unter anderem um den bei Ca Ira und konkret verlegten Johannes Agnoli ging. Dem Beitrag zufolge unternahm Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung in seinem Tagungsreferat den Versuch, anhand von Agnoli’s Biografie – einen Blick auf die Ideengeschichte seiner Staatskritik zu werfen. Weil erstere mir bis dato unbekannt blieb und sich Kraushaars Schlussfolgerungen mitunter absurd lesen, sei beides hier aus der FAZ kurz zitiert.

BIOGRAFISCH

Geboren im Mai 1925 in einem kleinen Ort in der Nähe von Cortina d’Ampezzo, verfasste Agnoli als Redakteur einer Schülerzeitung und Anführer eines faschistischen Jugegendverbandes Hymnen auf Mussolini, so dass sein Name sogar auf einer Hinrichtungsliste der Partisanen stand. Wegen seiner Bewunderung für das »Dritte Reich« meldete er sich 1943 freiwillig zur Waffen-SS und wurde bald darauf Soldat der deutschen Wehrmacht. Als Gebirgsjäger mit dem germanisierten Namen Johannes Aknoli war er bei der Partisanenbekämpfung in Jugoslawien im Einsatz.

KRAUSHAARS RESÜMEE

Agnolis Grundgedanken macht Kraushaar in Italiens präfaschistischer Ära aus, in der Politik des »trasformismo«, die von Gaetano Mosca und Vilfredo Pareto »theoretisiert« worden sei. (…) Kraushaars Resümee lautete, dass die Parlamentarismuskritik der Apo »in ihrem Kern aus der präfaschistischen Liberalismuskritik Italiens« stamme, aber ihr Inhalt habe politisch »sozusagen die Seite gewechselt«.

Sebastian


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  1. Chris 12.12.2006 / 22:34

    allerdings hat agnoli, im gegensatz zu anderen herren der schreibenden zunft, nie dieses beschissene kapitel in seiner biografie verschwiegen.

  2. w 13.12.2006 / 0:20

    ja habe ich auch so mitbekommen dass er relativ offen und selbstkritisch mit seiner ss-mitgliedschaft umging – ist ja auch das allermindeste. kraushaar dagegen nervt – irgendwie schafft er es andauernd, wichtige punkte aufzugreifen und sie dann vollkommen zu verdrehen, siehe das buch über die bombe im jüdischen gemeindehaus, wo letzten endes für ihn alles darauf hinauslief dass es einige verjunkte junglinke gab die einem antisemitischen strippenzieher (kunzelmann) auf den leim gingen – der sds und der rest der 68er-elite war fein raus.
    und jetzt versucht er anscheinend eine totalitarismustheorie zu stricken, mit der er dann seine tolle zivilgesellschaft als konterpart abfeiern kann – echt abstrus, wenn man sich die stoÃ?richtung von agnoli anschaut.

Reiss die Fresse auf:

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