Nach Telefon Tel Aviv, jetzt auch noch traurige Nachrichten von der »Arbeit nervt«-Front. Der Deichkind-Produzent Sebi Hackert ist am letzten Samstag im Alter von 32 Jahren eines plötzlichen, natürlichen Todes gestorben. »Wir trauern um Sebi« heißt es seitdem einzig und allein auf der Homepage der Band. Siehe auch: Hamburger Abendblatt, Intro.
Ein Göttinger Neonazi, der in einschlägigen rechten Bands aktiv ist, hat sich den Begriff »Hardcore« urheberrechtlich schützen lassen. Die Eintragung als Wortmarke beim deutschen Patent‑ und Markenamt, kann man als Versuch interpretieren, ein wirksames Instrument gegen den linken (Gross‑)Teil der Hardcore-Szene in Händen zu halten. Nur ein Beispiel: wer in Zukunft Stoff mit der Aufschrift »Leipzig Hardcore« oder »Hardcore is More than Music« bedruckt, der/die darf gespannt auf teure Anwaltspost (sogenannte Abmahnung) aus Niedersachsen warten. Darin wird man dann wahrscheinlich aufgefordert, innerhalb einer sehr kurzen Frist, den Verkauf und Vertrieb der Artikel einzustellen, die noch vorrätigen Stücke einzustampfen, den erzielten Gewinn herauszugeben bzw. einen gewissen Schadensersatz zu leisten. Das ist fies und nervt! Soweit muss es aber gar nicht erst kommen. Denn noch kann gegen die Eintragung der Wortmarke (ja, man kann auch »nur« einen Begriff schützen lassen) Widerspruch eingelegt werden. Und der hat tatsächlich Aussicht auf Erfolg, sofern jemand geltend macht, bereits vor der Eintragung der Marke mit der Aufschrift »Hardcore« bedrucktes Zeug hergestellt und unter die Leute gebracht zu haben. Dann hat er/sie das bessere Recht (sogenannter Prioritätsgrundsatz)! Also, liebe HC-Merch-FreundInnen: zückt die Advocard und ruft Eure AnwältInnen an. Mehr Infos: 1, 2, 3.
Dass Fast Food-Ketten schon immer als Symbol für die kulturlose Allmacht der Vereinigten Staaten galten, welche den »Völkern« ihre Identität nehmen würde, ist nicht erst seit den kruden, antikapitalistisch gemeinten Dummheiten der meisten Autonomen samt deren Buttersäure-Attacken gegen einschlägige Burger-Unternehmen bekannt. Wen wundert es nach diversen geistigen Überschneidungen da noch, dass auch in Sachen Essensberatung die neuen Nazis bei den Altlinken abgeschrieben haben – schließlich will man sich trotz Carhartt-Klamotten und auch im neonazistischen Millieu üblichen Anglizismen weder die deutschen Rippchen noch das Sauerkraut von amerikanischen Imperialisten abspenstig machen lassen. Angesichts folgender Bilder, die eine Standpauke von Nazis an Nazis in einem Dresdner Burger King-Lokal dokumentieren, kann man eigentlich nur Wofgang Pohrt Recht geben, der seinerzeit den wohl schlauesten Kommentar zu dieser Thematik abgegeben hat und demnach »jede weitere Filiale der Mc-Donald-Hamburger-Kette eine neue Insel der Gastfreundschaft und eine erfreuliche Bereicherung der Esskultur« in diesem Land ist. In diesem Sinne: schafft eins, zwei, viele!
Denovali Records bietet zu seinen neuen Veröffentlichungen einen ganz Schwung kostenlose Downloads an. Da wären einmal das komplette Album von Celeste hier, von Kodiak da und vom Dominic/The Third Memory Split dort drüben. Zu guter Letzt gibts hier noch ein Drittel von der neuen Daturah-Scheibe. Viel Spaß!
Der Autor des stets schwer lesenswerten Blogs NICHTIDENTISCHES hat sich im Rahmen einer Dissertation über »(…)moderne Hexereivorstellungen zwischen Kulturindustrie, Mythologie und Propaganda(…)« auf Feldforschung nach Afrika begeben und teilt nun auf einem extra eingerichteten Blog »Trouvailles und Stimmungsbilder« aus Ghana mit den geneigten LeserInnen. Die Vorskizzen zu seinem Promotionsvorhaben lassen erahnen, wohin die Reise geht:
Der weltweite Anstieg von Hexenjagden in der Moderne mit seinen Hot-Spots im subsaharischen Afrika, Indien, Indonesien und Südamerika lässt sich nicht allein aus der transkribierenden Analyse der Hexereivorstellungen erklären. Eine kritisch-theoretische Darstellung des Problems bedarf einer Integration der zahlreichen Vermittlungen zwischen Staat, Gesellschaft und Individuum. Neben dem globalen Warentausch sind Medien das zentrale vermittelnde Moment von Ideologien, die sowohl aus den Widersprüchen der warenproduzierenden Gesellschaft generiert werden, als auch mit ihren lokalen und kulturellen Vorbedingungen kommunizieren. Um diesen Besonderheiten im Allgemeinen gerecht zu werden und Allgemeinplätze zu vermeiden, ist eine situierte Medienforschung unabdingbar. Die Kritische Theorie liefert dabei einen Begriffsapparat, der das Nebeneinanderdenken von Widersprüchen erlaubt, wie sie in der Kulturindustrie notwendig entstehen und reproduziert werden.
Die aufstrebende Filmindustrie Afrikas hat mit Problemen der Ausbildung und der Distribution zu kämpfen. Zugleich ermöglichen neue technische Möglichkeiten eine qualitativ hochwertige Grassroots-Filmproduktion. In Nigeria entstand mit Nollywood ein ökonomisch starkes Zentrum der afrikanischen Filmproduktion, dessen Erfolge in Ghana derzeit mit Ghallywood wiederholt werden sollen. Das Filmschaffen oszilliert zwischen postkolonialen Ideologien, traditioneller Mythologie, kritischen und affirmativen Diskursen, Selbstreflexion, Publikumsbelustigung und staatlichem Erziehungsauftrag. Das Thema der Hexerei nimmt eine besondere Stellung in den modernen Medien in Afrika ein. Die medienzentrierte Feldforschung in Ghana muss daher diesem Thema höchste Aufmerksamkeit widmen. Handelt es sich jeweils um Kulturindustrie, die wie in westlichen Filmen das Unheimliche als Nervenkitzel kultiviert, um Propaganda auf Kosten Dritter oder um symbolistische Mythologie? Oder sind alle diese Elemente ineinander verwoben? Welcher Ort kommt der Hexerei jeweils zu? Entsteht subtil etwas wie ein Dogma, das die bislang hochdifferenzierten und flexiblen Hexereivorstellungen im subsaharischen Afrika auf einige wenige, visuell markierte und somit rassifizierte Stereotypen zentriert? Erzeugen Hexereifilme eher eine Proliferation der Hexereivorstellungen oder befördern sie die Wahrnehmung dieser als gesellschaftliche, artifizielle Produkte? Wie schätzen die Opfer von Hexenjagden die Auswirkungen von Hexerei-Filmen ein?
Mit Freud, Marx und Adorno sollen Hexereivorstellungen vom Subjekt her und zugunsten der Opferperspektive gedacht werden. Der Rekurs auf die Dialektik der Aufklärung ermöglicht einen geschärften Blick auf die Modernitätsdebatte in der aktuellen Hexenforschung und trägt dazu bei, die Fragmentierung in Einzelwissenschaften in einem interdisziplinären Dialog zu erodieren. Die Produktion des Wissenschaftlers wird selbst als Moment der gesellschaftlichen Praxis begriffen, das nie in unschuldiger Theorie aufgehen kann.
Auch wenn auf dem Ghana-Blog zunächst nur »ethnologische Belange, Befindlichkeiten und Fotos« veröffentlicht werden sollen, könnte man dennoch das grosse Glück haben, hier einem interessanten Projekt ein gutes Stückweit bei der Selbstentfaltung zuzusehen.
Nun ist er also draußen, der offizielle Trailer zum neuen Tarantino-Film. Und er sieht gut aus. Leider muss man sich aber noch bis zum 21.08. gedulden – erst dann kommt der Film in die Kinos.
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Wer am Wochenende nichts Besseres vorhat, möge seinen Ranzen schnüren und sich in Richtung Dresden auf den Weg machen. Dort stehen Nazigroßaufmärsche auf dem Programm, die die Bombardierung der Stadt durch die Westalliierten 1945 betrauern und die selbstredend nicht besucht, sondern verhindert werden wollen. Daneben gibt es aber gute Gründe sich antifaschistisch auch hinreichend gegen das bürgerliche Gedenken abzugrenzen. Ob man das machen sollte, darüber sind sich die linken Abschlussparolen aber nicht so recht einig: Venceremos! No Pasaran!
Konsens besteht hingegen über das kulturelle Rahmenprogramm. So geben sich Egotronic und Frittenbude (beide auf Audiolith) bei den Antifa-Gegenaktivitäten die Ehre. Dazu Endi von Egotronic im Interview mit Radio Corax:
»Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nichts sicher scheint.« oder »Gib mir was, irgendwas das bleibt«. Oh je. Solche Zeilen singen Silbermond auf ihrer – am 20.02. erscheinenden neuen Single. Der Umgang mit der Krise führt also auch popkulturell in die restaurative Behaglichkeit. In Konfirmanden-Lyrik heißt das soviel wie: wir wollen Staat, Nation, Familie, Natur, Ursprünglichkeit, Romantik und einen festen Job. Bebildert wird der Forderungskatalog im offiziellen Video mit Riot-Szenen (wofür oder wogegen auch immer). Zwischen Pflasterregen und brennenden Autos schlendert die Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß und intoniert ihre Version von »Ein bisschen Frieden«. Als ein »kleines bisschen Sicherheit« könnte das Lied lustigerweise zum Soundtrack deutscher Sicherheitspolitik werden. Schunkeln beim CDU-Stammtisch und Feiern bei The Dome 143 schließen sich heute ja nicht mehr aus.
Nachdem der Blog in der letzten Zeit mächtig politische Schlagseite bekommen hat – es gab ja auch einigen Grund für Interventionen – jetzt mal wieder etwas Schönes, nämlich Musik. Über den prima Blog I Draw Escape Plans, bin ich auf ifyoumakeit.com gestossen. Die Seite aus Brooklyn, die auf Garantie demnächst mit einem Banner in unseren Surftipps landen wird, hält neben Video-Mitschnitten von Live-Shows und privaten Unplugged-Sessions, auch einige Platten zum freien Download bereits. Umwerfend fand ich einmal mehr Austin Lucas auf der Couch.

