Familienfeierei

12.03.2010

Um das Label Altin Village und dessen jährliches Festival ist ein kleiner und feiner Film entstanden. In diesem Jahr präsentieren wir die Familienfatsche mit Testcard, dem PNG, OX und der Roten Raupe.
Zu sehen ist die Sache hier.

Schublade: Filme, Irgendwas // Autor: Janette

Dummheit auf Wand

4.03.2010

Plakat auf Wand

Über die Homezone Hamburger Autonomer – der Roten Flora – lässt sich nicht viel Gutes sagen. Der »linke Freiraum« ist auch nach 20 Jahren hauptsächlich frei von guten Partys (die Our Turn-Konzerte ausgenommen) und progressiven Inhalten. Die Internetseite des Ladens mit Kulturprogramm und Plenumsbeschlüssen klingt nach Wrackteilen und Funksprüchen aus einem 80er-Jahre-Raumschiff. Aber auch die Flora hat nicht jedes schlechte Wort verdient. Für eine besonders eckelhafte und weithin unbeachtete Schmähung hat jetzt ein Kunstprojekt gesorgt. »Plakataufwand« versteht sich als so etwas wie ein Dienstleister im öffentlichen Raum. Man schreibt eine Mail an die Gruppe mit einer Botschaft und einem Ort. »Plakataufwand« druckt die Textnachricht dann auf ein Poster und hängt es an der gewünschten Stelle auf. Dass sie nun aber ausgerechnet »Arbeit macht frei«jener Spruch, der über den Eingangstoren deutscher Konzentrationslager prangte – an ein linkes Zentrum plakatiert haben, klingt nach Wunsch und Drohung des Auftraggebers zugleich. Hat sich ein Nazi einen Spaß erlaubt oder fanden das irgendwelche Kunstheinis hinreichend subversiv (AZ statt KZ)? »Plakataufwand« mag man den Vorwurf nicht machen, sie haben wahrscheinlich wirklich nur den Dienstleister gespielt. Dass aber auch die Künstler beim Ausdrucken und Aufhängen der Botschaft kurz hätten nachdenken können, wäre doch aber nicht zu viel verlangt gewesen. Oder?

Schublade: Politik // Autor: Sebastian

Deutsche Kleidung

1.03.2010

Der Stoff aus dem die hippen und feuchten deutschnationalen Träume der jungen Generation sind, kommt natürlich aus Berlin. Unter dem Label »German Garment« rühmen sich vier jungen Herren – Matthias Schweighöfer, Kilian Kerner, Joko Winterscheidt und Sebastian Radlmeier – aus der neuen alten Hauptstadt mit Mode »Made in Germany« und sind naturgemäß auch noch stolz drauf. Beim Anblick der hässlichen Fummel kann es nur der nationale Mehrwert sein, auf den die Schnösel abzielen – bon alors, er ist es: pünktlich zum 20. Jahrestag des sog. »Mauerfalls« startete ihr Webshop mit dem Verkauf. Die Presse jubiliert: Endlich ein deutsches Label, die britischen Vorbehalte gegen »Made in Germany« gekonnt umschifft»es ist ja schließlich nicht Thor Steinar«. Die Integration in die postnazistische Volksgemeinschaft scheint zu klappen: »fashionfreaks.net« lobhudelt, es fehlten German Garment allein die Props von BILD und Taff, dabei starten die jungen Nationaldesigner direkt bei der Welt. Während ihrer Beschäftigung (»Arbeit« wollen sie ihr Geschäft nicht nennen) halluzinieren sie von der obligatorischen Charity-Abgabe, um die man im Bizz kaum herumkommt und sind neben »nett« auch noch »bodenständig« – verwurzelt, sagt man dazu! Ihr Beitrag zum »Standort Deutschland« ist ihre Verpflichtung aufs Ganze, Produktion in Deutschland um der Produktion in Deutschland willen. Ihr Selbstverständnis schwankt zwischen Psychose: »Wenn man in New York sagt, dass man aus Berlin kommt, ist man ein Gott« (Schweighöfer), Kontrollzwang: »Ich will wissen, wer das T-Shirt färbt, näht und verpackt.« (Winterscheidt) und Verdrängung: »Deutschland ist in allererster Linie meine Heimat. Und egal, was hier in der Vergangenheit für Greueltaten begangen wurden und wie sehr man sich dafür schämt – man kann auf eine gewisse, gesunde Art und Weise auch stolz darauf sein, hier zu leben. Wir haben eine Politik, die funktioniert, mit der man zwar nie komplett einverstanden sein wird, aber wir leben in Freiheit. Wir Deutschen waren es, die es geschafft haben, zusammen mit ehemaligen DDR-Bürgern die Mauer einzureißen und uns wiederzuvereinigen.« (Winterscheidt). Natürlich formulieren diese ungezwungenen Herren nicht ihre eigenen bösen Absichten, sondern die Teufelei steckt im ungemein guten Willen des Zeitgeistes, der nichts weiter reproduziert als das immer gleiche Unheil. Warum Fashion nur im Deutschen die Nähe zu Faschismus hat, diese Frage werfen die Kerle auf – beantworten können sie diese nicht anders als mit der Verbalisierung des Bauchgefühls des im nationalen Taumel »wiedervereinigten« Deutschlands – Konformismus eben. Dieser weist aber die Richtung, in die die Reise zwanzig Jahre nach dem Ende des letzten mickrigen Resultats des Zweiten Weltkriegs und der Vernichtung des europäischen Judentums geht. Der entspannte Nationalismus sucht sich seinen Ausdruck nicht nur in der Beschwörung der Gemeinschaft im Politischen, sondern ebenso im Alltäglichen, und hier sogar mehr noch im Repräsentativen denn im Argumentativen. Das Alltagsbewusstsein schlägt sich im Ausdruck nieder. Walter Benjamin hielt fest, dass wesentliches Merkmal faschistischer Kulturindustrie sei, den Massen zu ihrem Ausdruck zu verhelfen; was soll dort neben Filmen wie dem »Untergang«, »Der Sturmflut«, der »Luftbrücke« u.a. nicht treffender sein als ein deutsches Modelabel. Während diese strunzdummen Popper »den Stoff in Deutschland weben« wünsche ich ihnen und ihren Kunden ein Nesselhemd und webe Heinrich Heine lesend weiter an Deutschlands Leichentuch.

Schublade: Style // Autor: Hanno

Schernikau TV

19.02.2010

Ich habe letztens die »Königin im Dreck« von Ronald M. Schernikau gelesen – eine Sammlung von zauberhaften Artikeln, Reportagen und Reden des leider sehr jung gestorbenen Schriftstellers, die der Verbrecher Verlag wieder zugänglich gemacht hat. Da fand ich es spannend und schön ihn in einem gerade gefundenen Youtube-Clips reden zu sehen (via). Wer Schernikau nicht kennt, sollte ihn lesen. Wer ihn gelesen hat, sollte ihm zuschauen. So rührend und sympathisch, wie er in seinen Reportagen etwa Bäckersfrauen, Aids-Patienten oder Schlagersänger porträtiert, scheint er selbst gewesen zu sein.

Schublade: Filme // Autor: Sebastian

Duesendownloads

17.02.2010

Düsenjäger lassen sich nicht ohne einen satten Verteidigungsetat anschaffen. Ein Eurofighter etwa kostet 85 Millionen Euro pro Stück. In der zivilen Luftfahrt geht es jedoch manchmal ein wenig kostengünstiger zu. Die im August 2008 leider aufgelöste Band Duesenjaeger, die statt Raketen Punkrock in die Menge schießt, hat bereits im Dezember 2009 ihre Aufnahmen zum Download frei ins Netz gestellt. Von der ersten Single bis zur letzten Mini-LP ist alles dabei. Wer eher auf Haptik steht (also was zum Anfassen) oder der Band noch rückwirkend danke sagen will, der oder die kann sich ja mal Herr Neumanns »Träumt weiter« anschauen. Das aktuelle Album des Duesenjaeger-Sängers ist auf dem Hamburger Label Meerwert erschienen.

Schublade: Mixtape // Autor: Sebastian

Google Alert II

vom 31.01.2010 mit 2 Kommentaren »

In gewissen Abständen kann man ruhig einmal nachzeichnen, was den Leser und die Leserin durch die offene und hohe See des Internets an die Strände unserer kleinen Webpräsenz spült. In der letzten Zeit ein wenig Nationalsozialismus und Antisemitismus hier, ein paar Zukunftsfragen dort, Tugendterror-Themen, ein vernachlässigenswertes Popkulturinformationsinteresse, dafür hingegen Neugier nach jeglichen Genussangeboten: »Stelle einen […]

Nena: Made in Germany

vom 27.01.2010 mit 3 Kommentaren »

Die von uns mit initiierte Kampagne I Can’t Relax In Deutschland mag etwas Staub angesetzt haben. Sie hat schließlich auch schon fünf Jahre auf dem Buckel. Mit Nenas neuer Single »Made in Germany« (Video), nach der auch ihr ganzes aktuelles Album benannt ist, dürfte allerdings schnell klar werden, warum sich die Kritik an popkulturell verpackter […]